Veronika beschliesst zu sterben
Nach dem Roman von Paulo Coelho

 

Wann hat man vom Leben alles gesehen?
Veronika ist eine normale junge Frau – sie hat eine Wohnung, einen Job, eine Hand voll Liebhaber und einen immer gleichen Tagesablauf. Eines Tages stellt sie fest, dass das Leben ihr nichts weiter zu bieten hat und beschliesst zu sterben. Doch der Versuch, mit Tabletten ihrem Dasein ein Ende zu setzen, misslingt und Veronika wacht in der privaten Psychiatrie „Villete“ wieder auf. Dort teilt ihr die Chefärztin Dr. Igorova mit, dass die Tabletten ihr Herz so geschwächt haben, dass sie zwar noch am Leben ist, aber in spätestens einer Woche sterben wird.

 

Probe01

 

Im Angesicht des Todes und inmitten all dieser „Verrückten“ keimt in Veronika neuer Lebenswille. Sie lernt Zedka, Mari und Eduard kennen und entdeckt in sich auf einmal Gefühle, Gedanken und eine Leidenschaft, die sie so noch nie erlebt hat. War sie einfach nicht verrückt genug? Was bedeutet es eigentlich, verrückt zu sein? Während Veronika ihrem Leben neu begegnet, bleiben auch die anderen Insassen von ihrem Schicksal nicht unberührt. Dr. Igorova verfolgt derweil ganz eigene Pläne und eine gescheiterte Selbstmörderin kommt ihm dabei keineswegs ungelegen.
D' Veronika het wölle d' Böhni verloh, aber 's Läbe forderet e Zuegab! (Blanca)

 

probe02

 

Suizidversuech, mit ere Öberdosis Schloftablette. Dör das bedengt: Nekrosebildig - ade Härzchlappe. Läbeserwartig: Drei, maximal vier Täg. (Dr. Igor)
Seit diesem Frühjahr setzt sich das Ensemble des Theater-Tropfstei mit dem Tod, dem Leben, dessen Sinn und Unsinn, dem Normalen, dem Abnormalen und nicht zuletzt mit den Menschen aus Villete auseinandergesetzt. Die Geschichte von Veronika erzählen denn auch die Insassen von Villete gleich selbst. Retrospektiv erzählen sie die Geschichte von Veronika, schlüpfen in verschiedene Figuren, verhandeln Handlung und Sinn, bis sie schliesslich selbst nicht mehr wissen, ob sie nun eine Geschichte erzählen oder ob sie ihnen gerade selbst widerfährt.
Die schweizerdeutsche Stückbearbeitung von Regisseur Robin Andermatt und Dramaturgin Christine Schmocker wurde grösstenteils über den Sommer verfasst und speist sich aus dem Roman, der Dramatisierung von Hakon Hirzenberger und nicht zuletzt aus der vorangehenden Arbeit mit dem Ensemble.

 

probe03

 

Im Hintergrund sitzt eine ganze Crew weiterer involvierter Menschen: Dominic Röthlisberger komponiert die Musik für ein an den Aufführungen live spielendes Streichtrio. Derweil versuchen Medienkünstler Andri Schatz und Szenografin Linda Vollenweider mit einer ungewöhnlichen Raumsituation und bildgewaltigen Projektionen, das unsichtbare Innenleben der Figuren auf der Bühne sichtbar zu machen. Angela Staffelbach kümmert sich währenddessen um deren Aussenleben, entwirft zu den Charakteren die passende Kleiderwahl und hinterfragt dabei nicht ganz beiläufig gängige Modekonventionen.

 

Ein nicht ganz normaler Theaterabend. Aber was heisst hier schon normal?
De Eduard hed gwösst, was das Chribble e sim Buuch bedüütet. Schmätterling! Die hend ehm grad no gfäut! (Mari)